Tatjana Pfeifer
Zur Person:
geb. 1965 in Novosibirsk, Russland, 1997 nach Deutschland
immigriert.
Bereiche des Bürgerschaftlichen Engagements:
•
Gründung einer russischen Schule in Ingolstadt
•
Gründung des Deutsch – Russischen – Kultur- und
Bildungsvereins
•
Planung und Organisation von Bildungsausflügen für MigrantInnen
•
Organisation einer „Russischen Bibliothek“
Das Leben in der neuen Heimat war für Tatjana Pfeifer in den ersten drei Jahren
geprägt von Heimweh. Trotz Geschichtsstudium in Russland und einer
Umschulung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau fand sie keine Arbeit, es gab
nur wenige Gründe, dass Haus zu verlassen.
Die Geburt ihrer zweiten Tochter inspirierte sie zu neuen Aufgaben, beginnend
damit, dass das Mädchen Russisch lernen sollte.
Somit gründete sie zusammen mit einer Freundin im Oktober 2008 die erste
Russisch - Schule in Ingolstadt. Der große Bedarf an russischem
Sprachunterricht spiegelte sich in den zahlreichen Anmeldungen wieder.
Auf Grund der großen Schülerzahlen ergab sich die Notwendigkeit,
Honorarkräfte hinzu zu ziehen, während Frau Pfeifer und Frau Schenkel
ehrenamtlich arbeiteten. Die Schule begann mit 4 Klassen mit Kindern im Alter
von 6-12 Jahren.
Heute werden in der Schule über 100 Schüler unterrichtet, in 9 Klassen mit
Kindern im Alter von 4-18 Jahren darunter auch solche ohne russischen
Hintergrund. Und es gibt bereits eine Warteliste.
Mit der Gründung des Deutsch – Russischen Kultur und Bildungsvereins hat sich
auch das Programm erweitert, nach wie vor wird Russisch gelehrt, mittlerweile
auch als Fremdsprache. Dazu wird der Unterricht mit russischer Geschichte,
Geographie, Musik und Kultur ergänzt. Hinzu kommen verschiedene Feste, bei
denen mit den Kindern einstudierte musikalische Theaterstücke aufgeführt
werden.
Damit einhergehend bemüht sich Frau Pfeifer um ein „Russische Leseecke“ in
der Stadtbibliothek, zahlreiche gesammelte Kinder- und Jugendbücher in
Russischer Sprache stehen dort in einem gesonderten Regal für jedermann zum
Ausleihen bereit.
Frau Pfeifer ist um eine ständige Professionalisierung und Erweiterung der
Lehrmöglichkeiten sehr bemüht. Zum fachlichen Austausch organisierte sie z.B.
auch einen Besuch der Lehrkräfte bei der Russischen Schule in München.
Zum Zweck des kulturellen Austauschs wurde ein Stammtisch gegründet, der
sich ein Mal im Monat zu bestimmten Themen wie typische Märchen aus
Russland und Deutschland, Musik, Reisen oder landestypischer Humor, trifft. Die
Konversation findet zweisprachig statt.
Einen Höhepunkt bildete ein selbstorganisierter Leseabend mit Musik mit dem
bekannten Schriftsteller Andrej Usatschow aus Moskau.
Zusätzlich bietet der Verein auch Mal-Kurse für Kinder und Englisch-Kurse für
Erwachsene an. Einen Sprachunterricht in Russisch für Erwachsene ist bereits in
der Planung.
Bei den wachsenden Schülerzahlen und mit der Erweiterung des Angebotes
fürchtet Frau Pfeifer alsbald nicht mehr genug Räume zur Verfügung haben zu
können. Sie würde sich sehr wünschen, Zugang zu einer regulären Schule zu
bekommen um dort die Räumlichkeiten nutzen zu können. Bisher waren ihre
Bemühungen dahingehend erfolglos, obwohl der Unterricht nur samstags, also in
der regulär schulfreien Zeit, stattfindet.
Auch würde sie sich eine Unterstützung bei der fachlichen Weiterbildung der
ehrenamtlichen Lehrkräfte wünschen, sowie Qualifizierungsmaßnahmen zur
Vereinsführung und –verwaltung.
Die Frage nach einem weiteren Handlungsbedarf in den
Integrationsbemühungen der Behörden beantwortete Frau Pfeifer sehr offen und
ehrlich.
„Die Bemühungen der mit dieser Aufgabe betrauten Beamten sind lobenswert
aber wenig hilfreich. Solange Unterschiede in der Vergabe von Arbeitstellen und
Lehrmöglichkeiten für Jugendliche gemacht werden, kann keine wirkungsvolle
Integration stattfinden.“
zurück zur Personenübersicht
Ingolstädter Brückenbauer - Projekt der Freiwilligen Agentur Ingolstadt e.V.
Impressum